Putzen Alpe mit schöner Berglandschaft

Eine Landschaft wie ein echtes Meisterwerk

Arlberger Landwirt:innen sichern gepflegte Almen & Wiesen

Hinter der Idylle steckt harte Arbeit: Damit die traditionelle Kulturlandschaft am Arlberg erhalten bleibt – als Lebensraum, Erholungsort und Schutz vor Naturgefahren – bewirtschaften Bäuerinnen und Bauern mit viel Herzblut die Wiesen am Berg und im Tal. Ob Heuernte oder Almbetrieb: So wird die Schönheit des Arlbergs erst richtig sichtbar!

Sennerei der Putzen Alpe mit Käse auf einem Tisch zur Kontrolle

Es sind kleine Familienbetriebe wie jener von Daniel Juen, Bauer in dritter Generation in Flirsch auf 1.200 m Seehöhe, die zum Postkartenpanorama des Arlbergs beitragen. Zum Hof gehören rund 4,5 Hektar Grünland, das Juen regelmäßig mäht: die talnahen Wiesen zweimal jährlich, die hochgelegenen auf 1.600 m nur einmal. „Damit gewinnen wir Futter für den Winter“, erklärt er. „Aber gepflegte Wiesen sehen auch schöner aus und schaffen gern genutzte Freizeiträume in der Region.“ Selbst Bauern, die kein eigenes Vieh mehr haben, greifen daher zu Mähmaschine und Traktor. Dass die Artenvielfalt von dieser schonenden Bewirtschaftung – nicht zu oft mähen, keine Überdüngung – profitiert, zeigen die vielen bunten Wiesen im Stanzertal. Zur Landschaftspflege gehört neben der Heuernte auch die Beweidung. Seit Jahrhunderten grasen Kühe, Schafe, Pferde und Ziegen auf den Arlberger Almen und leisten dabei mehr als man denkt – sowohl in ökologischer und ökonomischer Hinsicht als auch für den Schutz vor Naturgefahren.

Almsommer mit Wirkung

 
Während Juens Rinder den Sommer im Verwall und Maroi verbringen, schickt Anton Probst aus St. Jakob seine fünf Milchkühe auf die Putzen Alpe – und organisiert dort als Almmeister gemeinsam mit Bernhard Sailer den gesamten Almsommer. Ihre Arbeit beginnt früh: Sobald im Mai rund um die beliebte Ausflugsalm auf 1.726 m unterhalb des Hirschpleiskopfs die letzten Schneereste verschwinden, krempeln sie die Ärmel hoch. Dann heißt es: Lawinenschäden beseitigen, Stauden schneiden, Steine und Äste wegräumen, damit frisches Gras nachwachsen kann. Spätestens Anfang Juni folgt der Almauftrieb. „Ganz unspektakulär im Vergleich zum festlichen Abtrieb im Herbst“, sagt Probst. In zwei Gruppen ziehen die Bauern von den St. Jakober Ortsteilen Gand, Gsör und Bach mit ihren Tieren über den Wanderweg auf die Alm.
  
Im Schnitt 55 Milchkühe verbringen hier den Sommer, die meisten stammen direkt aus der Region. Umsorgt werden sie von einem Hirten, der sie täglich auf die Weiden begleitet – manchmal bis hinauf zur Leutkircher Hütte auf 2.251 m. Aus der frisch gemolkenen Milch entstehen in der Alm-Sennerei köstliche Almbutter, Käse, Buttermilch und Molke. Ein guter Grund, beim Wandern oder Biken hier einzukehren und die nachhaltig bewirtschafteten Almen der Region zu unterstützen!

Kühe auf einer Bergwiese mit Aussicht

Die Putzen Alpe in Zahlen

152 ha
bewirtschaftete Fläche

 

1.700 m – 2.200 m
Höhenlage der Weideflächen

 

7
Personen gehören zum Team: zwei Almmeister, ein Senner, ein Hirte mit Beihirte und ein Wirtschafter mit Hilfskraft

55
Milchkühe, 13 Schweine und 8 Ziegen verbringen hier im Schnitt den Sommer

 

3 +
Monate dauert der Almsommer (Anfang Juni – Mitte September)

 

26
Sennalmen gibt es insgesamt im Bezirk Landeck

Skizze von einem jungen Mann mit einer Kuh

„Bewirtschaftete Almen erhalten die Kulturlandschaft – im Grunde aber ist es ein Kreislauf: Einheimische und Urlaubsgäste können die Almen mit einem Besuch aktiv
unterstützen.“

 
Anton Probst,

Almmeister Putzen Alpe

Wie so viele Idyllen ist auch die Almwirtschaft kein Selbstläufer – insbesondere in Zeiten des fortschreitenden Klimawandels. Ein früherer Vegetationsbeginn, veränderte Niederschlagsmuster und sinkende Auftriebszahlen machen das traditionsreiche System zunehmend anfällig. In St. Anton am Arlberg zeigen sich die Viehzahlen zwar aktuell stabil, doch auch hier begegnet man den klimatischen Herausforderungen mit konkreten Maßnahmen. Michaela Gasser-Mark, Koordinatorin der Klimawandel-Anpassungsmodellregion KLAR! Arlberg Stanzertal. Gemeinsam mit dem Tourismusverband und den Gemeinden Strengen, Flirsch, Pettneu und St. Anton am Arlberg wurde dafür die Initiative „Klimafitte Alm - und Weidebewirtschaftung“ ins Leben gerufen – mit dem Ziel, die heimischen Landwirte, Almbetreiber und die Bevölkerung insgesamt für eine klimagerechte Form der Bewirtschaftung zu sensibilisieren.

Kuh auf einer steilen Almwiese mit Ausblick auf die Berglandschaft
Almwirten auf einem kleinen Vorsprung des Berghanges

Klettverschluss statt Erosion

 
Dazu gehört zum Beispiel, den Almauftrieb je nach Vegetationslage früher anzusetzen. Auch eine gelenkte Weideführung – also die gezielte Steuerung, wo und wann die Tiere grasen – hilft dabei, eine gleichmäßige Abweidung zu erreichen. Ebenso wichtig: die Anpassung der Tierzahlen an das verfügbare Futterangebot. „Nur so bleiben unsere wertvollen Hochweiden erhalten und dienen weiterhin als natürlicher Schutz vor Muren oder Gleitschneelawinen“, erklärt Gasser-Mark. Bildlich gesprochen wirken kurzgefressene Weiden nämlich wie ein riesiger Klettverschluss: Sie halten den Schnee besser fest und sind auch widerstandsfähiger gegen Erosion bei Starkregen. Wer mehr darüber erfahren möchte, findet auf den Almen Tritsch, Rendl, Putzen und Nessler neuerdings Infotafeln zur klimafitten Almwirtschaft. Denn genau dort, wo die Landschaft zur gelebten Verantwortung wird, zeigt sich: Damit das Meisterwerk Arlberg bleibt, wie wir es lieben, braucht es altes Wissen – und neue Wege.