Ein Projekt für die summende Vielfalt am Arlberg
Kleine Insekten, große Wirkung
Allein in Tirol gibt es 370 verschiedene Wildbienenarten – wichtige Bestäuber, die durch den Verlust von Lebensräumen und den Einsatz von Pestiziden bedroht sind. Gemeinsam mit der Honigbiene spielen sie eine zentrale Rolle für die Biodiversität. In St. Anton am Arlberg setzt man nun ein starkes Zeichen für die nützlichen Insekten: Im Verwall wurde ein neues Bienenhaus errichtet. Ein begleitender Wildbienen-Lehrpfad lädt Wander:innen ein, deren faszinierende Welt zu entdecken.
Meist steht sie im Mittelpunkt, wenn es um Bienen geht – die Honigbiene. Doch sie hat eine ebenso faszinierende Verwandte: die Wildbiene. Von schwarz bis schillernd grün, gelb oder rot gestreift, mit Haarbändern in den unterschiedlichsten Farben – die nützlichen Insekten beeindrucken schon allein durch ihre Vielfalt. In Tirol sind rund 370 verschiedene Arten unterwegs, in ganz Österreich etwa 700, weltweit mehr als 20.000. Die kleinsten in Tirol lebenden Wildbienen messen nur fünf Millimeter, während manche Hummeln mit stolzen drei Zentimetern durch die Lüfte brummen. Doch Wildbienen unterscheiden sich nicht nur in Größe und Aussehen,sondern auch in ihren vielfältigen Nistgewohnheiten: Einige bevorzugen Erdspalten, andere nisten lieber in sandigen Böden, Altholz oder abgestorbenen, hohlen Pflanzenstängeln.
Schutz für bedrohte Bestäuber
Etwa 80 Prozent der Wiesen- und Nutzpflanzen werden durch sie bestäubt. Doch der verstärkte Einsatz von Pestiziden, der Verlust von Nist- und Lebensräumen sowie das Verschwinden blüten- und nektarreicher Wiesen bedrohen sie zunehmend. „Die Hobbyimkerei boomt zwar in den letzten Jahren“, weiß Johanna Bano vom Bienenzüchter-Zweigverein Arlberg, „doch die Wildbiene darf dabei nicht vergessen werden.“ Im Rahmen der KLAR!-Region Arlberg Stanzertal hat die Gemeinde St. Anton am Arlberg ein besonderes Projekt zur Förderung von Honig- und Wildbienen ins Leben gerufen. Ziel ist es, den bedrohten Bestäubern wieder mehr Lebensraum zu bieten und damit aktiv zum Erhalt der Artenvielfalt beizutragen. „Bienen sind unverzichtbar für unsere Umwelt und unsere Nahrungsmittelversorgung. Sie zu schützen heißt, die bunte Vielfalt der Natur zu bewahren und auch für kommende Generationen zu sichern“, betont Bürgermeister Helmut Mall, dem das Projekt ein Herzensanliegen ist. Mit gezielten Maßnahmen wie dem Anlegen von Blühflächen, dem Aufstellen von Bienenhotels und der Sensibilisierung der Bevölkerung wird ein nachhaltiger Beitrag zur ökologischen Zukunft der Region geleistet.
„Die Hobbyimkerei boomt zwar in den letzten Jahren, doch die Wildbiene darf dabei nicht vergessen werden.“ Johanna Bano, vom Bienenzüchter-Zweigverein Arlberg
Auf den Spuren der Wildbienen
In Zusammenarbeit mit dem Bienenzüchter-Zweigverein Arlberg wurde im Verwall ein neues Bienenhaus errichtet, in dem nun mehrere Bienenvölker ein Zuhause finden. Auch für Wildbienen wurden rund um die Hütte mit einem eigenen Sandarium, einem natürlichen Hang und extra gepflanzten Wildrosen ein vielfältiger Lebensraum geschaffen. Besonders hübsch sind die traditionellen, bunt bemalten Fluglochtafeln. Zum Bienenhaus gelangt man über den neuen KLAR!-Wildbienenweg. Der Lehrpfad wurde in Kooperation mit dem Institut für Botanik der Universität Innsbruck und unter fachkundiger Beratung des Wildbienenexperten Timo Kopf erarbeitet. Neun anschauliche Tafeln informieren über Vielfalt, Lebensweise, Nahrungspflanzen, Maßnahmen zum Schutz und die Bedrohung der Wildbienen. „Mit dem Projekt zeigt die KLAR!-Gemeinde St. Anton am Arlberg, wie sich regionale Klimawandelanpassung mit Natur- und Artenschutz sowie kulturellem Erbe sehr wirkungsvoll verbinden lässt“, freut sich Michaela Gasser Mark, Koordinatorin der KLAR!-Region Arlberg Stanzertal, über das gelungene Projekt.
Unterschied Honig- und Wildbiene
Honigbiene
– lebt in Völkern
– sammelt vor allem Nektar
– nistet und lebt im Bienenstock
– Generalistin
– Stachel kann Haut durchdringen
– Flugradius: 3–10 km
Wildbiene
– sammelt vor allem Pollen (Blütenstaub)
– benötigt artspezifische Nistplätze
– Spezialistin
– sticht in der Regel nicht
– Flugradius: 50–300 m