Eine Musikkapelle spielt abends auf einem Dorfplatz vor historischen Holzhäusern, geleitet von einem Dirigenten.

Talweit vereint in der Freude am Musizieren

Beeindruckende Blasmusik-Tradition im Stanzertal

In den vier Gemeinden des Stanzertals gibt es sechs Blasmusikvereine. Gemeinsam ist ihnen stolze Tradition, doch pflegt jede Musikkapelle ihre eigene Note. Von kirchlichen Anlässen über anderweitige Feierlichkeiten bis zu den sommerlichen Platzkonzerten sind sie ein unverzichtbarer Teil und Aushängeschild des Kulturlebens. 

Die Musikkapelle St. Anton wie sie durch die Gassen des Dorfes marschieren in blauer traditioneller Trachten-Kleidung.

Die Kultur der Blasmusik ist nirgendwo sonst dermaßen ausgeprägt wie im alpenländischen Raum“, betont Christian Haueis, Obmann der Musikkapelle St. Anton am Arlberg, und ergänzt: „Ich hoffe, dass sich diese Tradition noch lange hält.“ Hinsichtlich des Nachwuchses zeigt er sich zufrieden – wie auch die anderen Obmänner der Musikkapellen im Stanzertal. Es gibt für die Jugendlichen etliche Alternativen wie den Ski- oder Fußballclub, wobei die Mitgliedschaft in der Musikkapelle am aufwendigsten sei. So ist zunächst eine 3- bis 4-jährige musikalische Ausbildung zu absolvieren, die meist nach Erwerb des Leistungsabzeichens in Bronze mit der Aufnahme in den Verein belohnt wird. Und dann gibt‘s inklusive Proben rund 100 Zusammenkünfte im Jahr – in der Freizeit, wie Haueis unterstreicht, „alles ehrenamtlich“. Auf die viele investierte Zeit kommt auch Herbert Keim zu sprechen, Obmann der Musikkapelle St. Jakob am Arlberg. Der Ortsteil der Gemeinde St. Anton hat seine eigene musikalische Visitenkarte, wenngleich die beiden Musikkapellen einen gemeinsamen Ursprung haben. „Anlässlich von 100 Jahren Trennung haben wir uns in der Früh getroffen und sind nebeneinander losmarschiert“, erzählt Keim amüsiert. Es gehe ja nicht um Konkurrenz, wenn man sich auch ein wenig matcht. 

Mit großer Tradition und Einsatzfreude

 
Von der eigenen Gründungsgeschichte berichtet ebenso Wilhelm Schranz, Obmann der Musikkapelle Pettneu am Arlberg. Als 1884 die Arlbergbahn eröffnet wurde, veranlasste der angereiste österreichische Kaiser Franz Joseph I., dass den Pettneuer Musikanten Instrumente geschenkt werden, worauf diese zu dem geschichtsträchtigen Anlass aufspielten. Stolz verweist Schranz auch aufs Durchschnittsalter der Vereinsmitglieder von 31,5 Jahren, das eigene Jugendorchester und den relativ hohen Anteil an Frauen. Dieser hat sich bei allen Vereinen über die Jahre gesteigert, was allseits begrüßt wird. Mit Schnann verfügt auch in der Gemeinde Pettneu ein Ortsteil über seine eigene Musikkapelle. „Im Schnitt rund 30 Mitglieder in einem Dorf mit zirka 350 Seelen, das kann sich wohl sehen lassen“, ist Obmann Daniel Scherl über das anhaltend große Interesse wie auch den geringen Altersdurchschnitt erfreut. 

 
Wie wichtig die Nachwuchsarbeit der dafür zuständigen Jugendreferent:innen ist, macht Stefan Sailer, Obmann der Musikkapelle Flirsch deutlich. Die Neuzugänge sind für die Älteren eine erfrischende Bereicherung und die Jungen könnten von diesen nicht nur musikalisch viel lernen. „Es gilt der Jugend zu vermitteln, wie spannend es ist, ein Instrument zu lernen, und welche Möglichkeiten einem das Vereinsleben eröffnet“, so Thomas Lorenz, Obmann der Musikkapelle Strengen. Unisono mit seinen Kollegen in den anderen Orten betont er die tolle Kameradschaft, das Entstehen von Freundschaften über Altersunterschiede hinweg sowie nicht zuletzt die Freude und Begeisterung am gemeinsamen Musizieren. 

Musikkapelle Pettneu marschiert an einem holzernen Stadl vorbei in Tracht. Von der Seite fotografiert.
Musikkapelle Strengen marschiert über ein Freilandstraße, im hintegrund sieht man die waldigen Berge des Stanzertals.
Skizze in Graustufen gezeichnet von Daniel Scherl, Obmann der Musikkapelle Schnann

„Ich bin der festen Überzeugung, dass jedes Dorf eine Musikkapelle braucht, sonst würde sehr viel fehlen und verloren gehen. Das beginnt bei den Ausrückungen zu kirchlichen Anlässen und reicht über das alljährliche Kirchtagsfest bis zu den wöchentlichen Platzkonzerten im Sommer. Verbindend sind auch die vielen schönen gemeinsamen Erlebnisse, nicht nur beim Musizieren.“

 

Daniel Scherl,

Obmann der Musikkapelle Schnann

Musikkapellen in der Region

Eine Musikkapelle zieht in traditioneller Tracht durch ein Dorf, gesehen von hinten, begleitet von Fahnen und Wohnhäusern.

St. Anton am Arlberg

gegründet 1901

 

Mitglieder: 60 / davon 20 Musikantinnen
Obmann: Christian Haueis (Klarinettist)
Kapellmeister: Günther Öttl (Stabführer)
Jugendreferent:innen: Florian Haueis (Tenorhornist) und Sara Haueis (Saxophonistin)

St. Jakob am Arlberg

gegründet 1900

 

Mitglieder: 50 / davon 12 Musikantinnen
Obmann: Herbert Keim (Hornist)
Kapellmeister: Lukas Spiss (Flügelhornist und Stabführer)
Jugendreferent:innen: Florian Keim (Kapellmeister-Stv. und Hornist) und Hanna Buchhammer-Traxl (Flötistin)

Eine Musikkapelle spielt abends auf einem Dorfplatz in traditioneller Tracht, geleitet von einem Dirigenten, umgeben von historischen Holzhäusern.
Eine Musikkapelle marschiert in geordneter Formation durch eine schmale Dorfstraße und spielt Blasinstrumente.

Pettneu am Arlberg

gegründet 1884

 

Mitglieder: 52 / davon 23 Musikantinnen
Obmann: Wilhelm Schranz (Tubist)
Kapellmeister: Guido Scherl (Flügelhornist)
Jugendreferent:innen: Wilhelm Schranz, Guido Scherl und Sabrina Rakowitz

Schnann

gegründet 1945

 

Mitglieder: 29 / davon 9 Musikantinnen
Obmann: Daniel Scherl (Klarinettist) und Alexander Nöbl (Flügelhornist)
Kapellmeister: Florian Scherl (Stabführer und Trompete)
Jugendreferentin: Laura Nöbl (Marketenderin)

Eine Musikkapelle bewegt sich musizierend durch ein alpines Dorf mit Fahnen, Häusern und Bergkulisse.
Eine Musikkapelle zieht durch eine enge Gasse, angeführt von einer Fahne, umgeben von Häusern und Kirche.

Flirsch

gegründet 1862

 

Mitglieder: 51 / davon 22 Musikantinnen
Obmann: Stefan Sailer (Schlagwerker)
Kapellmeister: Dominik Wahler (Trompeter und Stabführer)
Jugendreferent: Daniel Juen (Bariton, Kapellmeister-Stv., Leitung Jugendorchester und Stabführer)

Strengen

gegründet 1902

 

Mitglieder: 46 / davon 11 Musikantinnen
Obmann: Thomas Lorenz (Tenorhornist)
Kapellmeister: Michael Zangerl
Jugendreferent: Gabriel Spiß (Schlagwerker)

Eine Musikkapelle bewegt sich musizierend durch ein alpines Dorf mit Fahnen, Häusern und Bergkulisse.