Auf der Spur des Erzes
Geschichte des Bergbaus in der Region
Der Bergbau am Arlberg ist längst Geschichte. Aber eine hochinteressante! Wanderwege und spannende Führungen geben Einblick in die Zeit der Bergleute und Knappen. Glück auf!
Sogar in einem Gebiet, das man sehr gut kennt, kann man überraschende Entdeckungen machen. So interessierte sich der in Strengen-Klaus aufgewachsene Hobbyforscher Paul Ruppe für die verrosteten Kabel und Transportwagen, die er in einem Waldstück unweit seines Elternhauses fand. Der gelernte Maschinenschlosser ging der Sache nach, restaurierte diverse Bergbau-Fundstücke und recherchierte viele neue Details. Unter anderem fand er heraus, dass am Rücken der Eisenspitze von 1956 bis 1959 Manganerz abgebaut wurde, das u. a. als Legierungsbestandteil bei der Stahlproduktion verwendet wird.
Mangan auf der Eisenspitze
Der Tagebau wurde von einem Tochter-Unternehmen der Reuttener Textilwerke betrieben und reichte bis auf 2.300 Meter. Das Erz wurde mit zwei in Leipzig gebauten Bleichert-Seilbahnen mit einer Gesamtlänge von 2.670 Metern ins Tal transportiert. Allein im Jahr 1957 wurden ca. 300 Tonnen Manganerz gefördert. Die Bergarbeiter kamen aus dem Dorf und übernachteten auf der „Thaja“, auf 1.800 m. Sie wurden gut bezahlt und manchmal bekamen sie auch Hosen und Stoffe von den Reuttener Textilwerken. Die Bahn lief täglich acht Stunden, auch samstags wurde gearbeitet. Mit diesem Wissen wird die interessante Bergbaugeschichte am Arlberg noch facettenreicher. Seit dem 16. Jhdt. sind Gruben im Stanzertal historisch belegt. Bereits um 1500, während der Regentschaft von Kaiser Maximilian I., ist von einer „grueb in Stannzer Tal“ zu lesen. Dem Landesfürsten stand ein Neuntel-Anteil des Bergwerkes zu. Das Gebiet der Bergbau- bzw. Versuchsstollen und Schürfe erstreckte sich zwischen dem Steißbachtal bei St. Anton am Arlberg und dem Kohlwald bei Flirsch.
Zeitreise Bergwerk Gand
Oberhalb von St. Jakob am Arlberg liegt zwischen 1.280 und 1.500m Seehöhe der ehemalige Erz-Bergbau Gand. Auch er wurde von einem Hobbyarchäologen, Markus Kaser, entdeckt. Zwar war den meisten Anrainern das Knappenloch bzw. „Knåppaloch“ oberhalb von St. Jakob ein Begriff, aber von einem ausgedehnten Stollensystem wussten sie lange nichts. Die Bergwerksleute schürften darin nach sogenannten Fahl- und Silbererzen, Pyrit und Kupferkies. Vor allem der hohe Quecksilberanteil dürfte das Abbaugebiet sehr ergiebig gemacht haben. Quecksilber wurde früher in der Medizin vielfach eingesetzt, aber auch zum Amalgamieren, etwa in Goldbergbauen, wurde es verwendet. Im 16. Jahrhundert war der Bergbau Gand der einzige in Tirol, wo dieses Metall zu dieser frühen Zeit abgebaut wurde. Originalgetreu nachgezimmerte alte Stollen und drei Bergbaugebäude ermöglichen den Besuchern eine Zeitreise mit Erkenntnissen über die mühseligen Arbeiten, die hier geleistet wurden. Ein schön angelegter, leichter Rundwanderweg auf der Spur des Erzes führt über 750 Meter zu drei Schauhütten und zwei Stollen. Entlang des Weges informieren 12 Tafeln über Geologie, Mineralogie, Erzarten, geschichtliche Entwicklung und den Abbau der Erze. Beim „Knåppaloch“ ist es während der Öffnungszeiten möglich, durch den gezimmerten Stollen zwanzig Meter tief in den Berg vorzudringen. Der Markus-Stollen führt sogar über 50 Meter tief in den Berg hinein und kann seit Frühjahr 2021 im Rahmen einer Führung erkundet werden.
Podcast Episode 7 - Bergbau Gand
Auf den Spuren von Erz
Bergbau in St. Anton am Arlberg? Damit würde man jetzt nicht unbedingt rechnen, wenn man an den Arlberg und an die Wiege des alpinen Skilaufs denkt - aber der Bergbau hat in Gand eine sehr lange Geschichte und geht bis ins 14. Jahrhundert zurück.
