Bergbau Flirsch

Stanzertal

Die Geschichte des Bergbaus in Flirsch erstreckte sich über einen Zeitraum von ungefähr 300 Jahren (1350-1643). Es wird jedoch vermutet, dass bereits in früheren Jahrhunderten Bergbauarbeiten im Flirscher Ortsteil Kohlwald betrieben wurden. Informationen und Aufzeichnungen aus dieser Zeit sind rar. Trotz der spärlichen Quellenlage wurden durch engagierte Nachforschungen von ortskundigen Personen neue Details dieser Zeitepoche aufgedeckt.

Karte des Bergwerkes Flirsch, golden skizziert, mit weißen Icons auf schwarzem Grund

Namensherkunft „Kohlwald“

 
Um die abgebauten Erze weiterverarbeiten zu können, müssen zuerst die Metalle vom tauben Gestein getrennt werden. Dieser Vorgang wurde in sogenannten Schmelzhütten durchgeführt, welche einen hohen Bedarf an Holzkohle hatten. Abgebaute Erze aus Flirsch wurden zur Schmelzhütte in Vadiesen (Ortsteil der Nachbargemeinde Pettneu) gebracht, welche zum Bergbau Gand gehörte. Das Holz, welches zu Holzkohle weiterverarbeitet wurde, kam zum Teil auch aus Flirsch. Dadurch kann auch erklärt werden, woher der Name „Kohlwald“ stammt. Es wird angenommen, dass die Flächen dieses Ortsteils von Flirsch ursprünglich Wiesen waren und später für den Bergbau sowie dessen hohen Holzbedarf aufgeforstet wurden.

Geschichte des Bergbau Flirsch

 

Anfang des 15. Jahrhunderts wurde dem Bergbau Gand, zu welchem auch der Abbau in Flirsch gehörte, eine Gewerkschaft verliehen. Der Hauptabbau von Erzen in Flirsch fand unter der Herrschaft von Kaiser Maximilian I (1459-1519) statt. Die Zuständigkeit des Kohlwaldes unterlag seit dem 15. Jahrhundert dem Bergrevier Imst. Die Wiederbelebung des Bergbaus erfolgte durch den Markgraf Ludwig von Bayern, Graf zu Tirol, als er Schürfrechte auf die bestehenden Bergwerke erteilte. Während der Wiener Türkenbelagerung im Jahr 1529 wurden ca. 6.000 Knappen aus Tirol eingezogen und in Wien stationiert. Im Militär waren die Knappen sehr beliebt, da sie sich gut mit Sprengstoff und Stollenbau auskannten.

Ab dem 16. Jahrhundert war der Tiroler Bergbau in der Hand der Fugger. Die Fugger-Familie galt als eine der bedeutendsten unter den Augsburger Handelsgesellschaften. So trugen sie maßgeblich zur wirtschaftlichen Entwicklung in einigen Tiroler Regionen bei. Seit der Gründung des Unternehmens 1367 durch Hans Fugger entwickelte sich das Geschäft zu einem beeindruckenden europaweit agierenden Konzern.

 

Im Jahr 1603 wurde die Verantwortlichkeit der Bergwerke Erzherzogin Anna Katharina (1566-1621) zugesprochen.

 

Die Auflassung des Bergbaus in Flirsch erfolgte 1643. Der Grund für die Auflassung ist nicht ein-deutig bekannt. Wahrscheinlich führten die Zerstörung der Schmelzhütte in Vadiesen und Vermu-rungen (Erdrutsche) im Flirscher Ortsteil Kohlwald zur Stilllegung.

Neben dem Untertagebergbau wurde in Flirsch auch Flirscher Brockenmarmor“ oder auch „Flir-scher Buntantik“ und Schiefer abgebaut. Diese, an den Abhängen der Eisenspitze zu findende Steine, wurden als Baumaterial in der umliegenden Region verwendet. Mit den Schieferplatten wurden zum Beispiel die Dächer des Schloss Büchsenhausen und der Weiherburg in Innsbruck gedeckt.

Flirscher Marmor in einem orange-beigen Ton.

Das Stollen-System

 

Bis jetzt wurden zwei Stolleneingänge gefunden, die auf ein weit größeres System hinweisen. Der untere Stollen war wahrscheinlich als zusätzlicher Zugang zum Bergwerk geplant, wurde jedoch nie fertiggestellt. Die Art und Weise wie die Stollen verschlossen wurden, legen es nahe, dass eine Weiterführung des Bergbaus beim Verlassen nicht ausgeschlossen wurde.

 

In dem hinteren Bereich des Stolleneingangs wurden Überreste von Holzgeleisen gefunden. Diese wurden dazu verwendet, um Loren oder andere Fahrzeuge im Untertagebau zu bewegen. Auch finden sich Überreste von Bölzungen, welche einen wichtigen Bestandteil der Sicherung und Stabilisierung der Stollenwände darstellten. Ein weiterer Punkt, der auf ein größeres Stollen-System schließen lässt, sind Pingen, die im Gebiet des Kohlwaldes auftauchen. Als Pingen werden keil-, graben- oder trichterförmige Vertiefungen im Boden bezeichnet, welche durch den Einsturz von Tiefbaugruben entstehen.

Stollen-System der Bergwerks Kohwald

Ein realistischer Vortrieb für diese Zeit waren ungefähr 3 cm pro Tag. Der Begriff Vortrieb bedeutet, dass der Stollen um eine bestimmte Länge durch das Wegschaffen von Gestein erweitert wird. Der Abbau erfolgte mithilfe von Eisen und Schlägel, wodurch nur ein langsames Vorankommen möglich war. Schießarbeiten im Untertagebau breiteten sich erst im Laufe des 17. Jahrhunderts in Europa aus. 

 

Der Bergbau in Flirsch existierte für ungefähr 300 Jahre. Daher wird geschätzt, dass das Stollen-system mehrere Kilometer umfassen könnte.

 

Im Kohlwald wurde Eisen sowie Fahlerz abgebaut. Fahlerz kann Mineralien wie Pyrit, Kalzit, Ara-gonit, Azurit, Baryt, Chalkopyrit, Dolomit, Limonit, Malachit, Zinnober, Zink und Hämatit enthalten.

 

In Flirsch gibt es weitere Stollenanfänge, der außerhalb des Dorfes in einem Bereich namens Gampli liegen. In diesem Stollen sollte Mangan abgebaut werden.

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